WILDKRÄUTER
FINDEN & SAMMELN
Sicher, nachhaltig &
mit Freude starten
7 MIN
Wo darf man überhaupt sammeln? Welche Pflanzen eignen sich für den Einstieg? Und worauf sollte man aus Sicherheits- und Naturschutzgründen achten? In diesem Guide zeigen wir dir die wichtigsten Grundlagen für den Einstieg. Mit etwas Wissen, Geduld und einem achtsamen Blick wird das Sammeln schnell zu einer bereichernden Erfahrung.
Das erwartet dich
Mit dem Wildkräutersammeln starten: So gelingt der Einstieg
Der Einstieg in die Welt der Wildkräuter und dessen Bestimmung muss nicht kompliziert sein. Am besten fangen wir mit drei bis fünf Wildkräutern an, die wir kennen und legen unseren Fokus auf sie. Es ist erstaunlich wie oft einem dann genau diese Kandidaten am Wegesrand begegnen.
Hilfreich sind außerdem ein gutes Bestimmungsbuch oder eine Pflanzen- bzw. KI-App. Trotzdem gilt: Verlasse dich niemals ausschließlich auf digitale Erkennungstools. Wirklich bestimmen lernt man vor allem durch genaues Beobachten der Pflanze, etwa über den Geruch, die Blattunterseite, feine Härchen oder typische Merkmale wie einen vierkantigen Stiel. Sammle deshalb nur Kräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst. Gerade am Anfang lohnt es sich, lieber langsamer zu lernen und dafür Vertrauen in die eigenen Kenntnisse aufzubauen.
Zum Start kann es sich besonders lohnen, an einer unserer Wildkräuterwanderungen teilzunehmen. So lernst du direkt von der Expertin, worauf es bei der Pflanzenbestimmung ankommt und wie du die Pflanzen im Alltag verwenden kannst.
Diese Wildkräuter eignen sich für Anfänger:innen
Nicht alle Wildpflanzen sind sofort leicht zu erkennen. Einige Kräuter eignen sich jedoch besonders gut für den Einstieg, weil sie häufig vorkommen und nur wenige gefährliche Doppelgänger haben.
Brennnessel
Die Brennnessel gehört zu den bekanntesten Wildkräutern überhaupt. Sie ist reich an Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen und eignet sich für Tee, Pesto, Smoothies oder Suppen. Sie wächst meist in größeren Gruppen und ist an ihren spitz zulaufenden, gezackten Blättern und den feinen Brennhaaren auf Blättern und Stängeln zu erkennen.
Löwenzahn
Vom Blatt bis zur Blüte lässt sich beim Löwenzahn fast alles verwenden. Typisch sind seine tief gezackten Blätter, die leuchtend gelben Blüten und der hohle Stängel mit weißem Milchsaft.
Spitzwegerich
Spitzwegerich wächst auf vielen Wiesen und Wegen. Die langen, schmalen Blätter mit den deutlich sichtbaren Längsrippen machen ihn leicht erkennbar. Die Blätter wachsen rosettenförmig direkt aus dem Boden.
Giersch
Für viele Gärtner:innen ein „Unkraut“, in der Wildkräuterküche jedoch äußerst beliebt, denn sein Geschmack erinnert leicht an Petersilie und Sellerie. Erkennbar ist Giersch mit der 3x3 Regel: dreikantiger Stängel, drei Blattgruppen, wovon die mittlere Gruppe immer 3 Blätter hat.
Gerade am Anfang hilft es, dieselben Pflanzen über mehrere Wochen hinweg immer wieder zu beobachten. So lernst du nicht nur ihr Aussehen, sondern auch ihre unterschiedlichen Wachstumsstadien kennen.
WILDKRÄUTER KENNENLERNEN
Kräuterwanderung am 29.7.
Lerne von Biologin Lina
und tauche ein in die Welt
der Wildkräuter.
Wildkräuter sammeln: Die besten Orte und der richtige Zeitpunkt
Die Qualität von Wildkräutern hängt stark vom Standort ab. Sammle möglichst weit weg von stark befahrenen Straßen, Hundewiesen, konventioneller Landwirtschaft und offensichtlicher Verschmutzung. Besonders gut eignen sich naturbelassene Wiesen, Waldränder oder der eigene Garten. Auch in der Stadt begegnen uns viele Wildpflanzen in kleinen Ritzen am Bordstein, in Parks, auf alten Friedhöfen. Im urbanen Umfeld sollten wir allerdings wegen der Umweltbelastungen nicht sammeln.
Ein guter Zeitpunkt für einen Streifzug nach heimischen Nährstofflieferanten ist der frühe Vormittag an einem sonnigen Tag. Besonders Blätter und junge Triebe sammelt man am besten morgens oder vormittags, wenn die Pflanzen kräftig und frisch sind. Blüten hingegen enthalten ihre intensivsten Aromen und Inhaltsstoffe oft eher mittags bis nachmittags an trockenen, sonnigen Tagen. Direkt nach starken Regenfällen sollte nicht gesammelt werden, da viele Inhaltsstoffe vorübergehend verdünnt sein können. Auch extreme und langanhaltende Trockenheit kann bestimmte Pflanzen. Es lohnt sich also immer, die jeweilige Pflanze und ihren bevorzugten Standort mitzudenken.
Auch der Zeitpunkt im Jahr macht einen Unterschied: Im Frühling finden wir vor allem zarte junge Blätter, frisches Grün und erste Blüten, die sich wunderbar direkt verarbeiten lassen. Der Sommer bringt dagegen kräftigere, aromatische Pflanzen hervor, die oft reich an ätherischen Ölen sind und sich gut trocknen lassen. Uns selbst im Winter findet sich so einiges Wildes in der Natur zur Ernte. Auf unserem Instagram Account findest du monatliche Sammellisten und unser “Wildkraut des Monats”.
Sicher Wildkräuter sammeln: Darauf solltest du achten
Die wichtigste Regel beim Wildkräuter sammeln lautet: Sammle nur Pflanzen, die du eindeutig bestimmen kannst. Einige essbare Wildkräuter haben giftige Doppelgänger, die gesundheitsschädlich sein können. Wenn du dir unsicher bist, lass die Pflanze lieber stehen. Gerade am Anfang lohnt es sich, gemeinsam mit erfahrenen Sammler:innen unterwegs zu sein oder an Kräuterführungen teilzunehmen.
Außerdem gilt: Nicht jede Pflanze ist roh bekömmlich. Manche Wildkräuter sollten nur in kleinen Mengen gegessen oder vorher erhitzt werden. Taste dich langsam heran und beobachte, wie dein Körper auf neue Pflanzen reagiert.
Naturschutz & Regeln beim Wildkräutersammeln
Darf man Wildkräuter überhaupt sammeln? Grundsätzlich ja, allerdings nur in kleinen Mengen für den persönlichen Gebrauch. In Deutschland gilt hierfür die sogenannte „Handstraußregel“. Sie erlaubt das Sammeln kleiner Mengen wild wachsender Pflanzen, solange diese nicht geschützt sind und außerhalb von Naturschutzgebieten wachsen.
Besondere Vorsicht gilt deshalb in Schutzgebieten oder bei seltenen Pflanzenarten. Einige Wildkräuter stehen unter Naturschutz und dürfen weder gepflückt noch ausgegraben werden. Informiere dich im Zweifel vorab über regionale Regelungen und geschützte Arten. Für einen allgemeinen Überblick über den Status in Deutschland eignet sich die Artensuche vom Rote-Liste-Zentrum sehr gut. Speziell für eure Region schaut ihr am besten bei der Stiftung Naturschutz, beim NABU oder Naturschutzseiten der jeweiligen Bundesländer nach.
Wildkräuter sammeln bedeutet immer auch, Verantwortung für die Natur zu übernehmen. Wer aufmerksam sammelt, schützt nicht nur Pflanzen, sondern auch die Tiere und Insekten, die auf diese Lebensräume angewiesen sind. Und oft gilt: Was man kennt und lieben lernt, möchte man automatisch besser schützen. Je mehr wir uns mit Wildpflanzen beschäftigen, desto größer werden meist auch Wertschätzung und Achtsamkeit im Umgang mit der Natur.
Nachhaltig sammeln: Die Natur ist kein Supermarkt
Wenn wir mit dem Sammeln anfangen, sind wir oftmals euphorisch. So viele Wildkräuter in rauen Mengen! Statt beherzt zuzugreifen sollten wir von einer Sammelstelle nur wenig ernten, um den Bestand nicht zu gefährden. Ernte also maximal ein Drittel der Pflanzen an einem Ort. Suche Pflanzen, die nicht alleine stehen. Bei Baumblättern und Knospen erntest du besser von verschiedenen Zweigen. Lass auch etwas für Hummeln, Bienen und andere Insekten übrig. Frag dich: Wie viel brauchst du wirklich? Wie viel kannst du essen? Hast du genug Zeit, die Kräuter zu verarbeiten? Schmeckt dir das Kraut?
Wer nachhaltig sammelt, entwickelt mit der Zeit automatisch einen anderen Blick auf die Natur: weg vom Konsumieren, hin zum bewussten Wahrnehmen und Wertschätzen.
ZUBEHÖR
Sammelmesser
Ein scharfes Sammelmesser
stellt sicher, dass wir nie aus
Versehen die Wurzel der
Pflanze entfernen.
Equipment & Verarbeitung: Was du wirklich brauchst
Für den Einstieg braucht es überraschend wenig Ausrüstung. Es reicht ein Stoffbeutel, eine kleine Sammelmesser und ein gutes Bestimmungsbuch. Viele Sammler:innen nutzen außerdem Körbe oder ein feuchtes Leinentuch, damit die Kräuter luftig und frisch transportiert werden können. Wenn wir Brennnesseln oder Hagebutten und Beeren von einem dornigen Strauch ernten, haben wir auch Handschuhe dabei.
Und was wird aus den Wildkräutern zubereitet?
Nach dem Sammeln sollten Wildkräuter möglichst frisch verarbeitet werden. Viele Pflanzen verlieren schnell Aroma oder werden welk. Besonders einfach gelingt der Einstieg mit Tee, Kräutersalz, Pesto oder Wildkräuter-Butter. Neben dem Sammeln von Pflanzen ist das Wissen rund um deren Haltbarmachung ein weiteres, fast vergessenes Kulturgut: Von Tinkturen und Auszügen bis hin zu selbst hergestellten Salben. Hier lohnt es sich ebenfalls, in Büchern zu recherchieren, das Wissen in Kursen zu vertiefen oder die eigene Familie nach überlieferten Rezepturen zu befragen. Oft sind diese viel einfacher als gedacht.
Vor dem verarbeiten kannst du die Blätter von deinen Wildkräutern vorsichtig waschen. Blüten sollten nicht gewaschen werden, da sie sonst ihre Nährstoffe und den Geschmack verlieren. Am besten lässt du sie 20 Minuten an einem sonnigen Ort auf einem hellen Tuch liegen, sodass alle Tierchen herauskrabbeln können.
Für den täglichen Verzehr lassen sich Wildkräuter in einem nassen Tuch eingewickelt bis zu fünf Tage im Kühlschrank lagern und verfeinern Smoothies, Salate, Suppen, Dips & mehr. Rezepte findest du hier im Blog und wöchentlich auf unserem Instagram-Account @kruut_organic.
Die häufigsten Fehler beim Wildkräutersammeln
Fehler gehören ganz normal zum Lernprozess dazu. Einige Dinge solltest du trotzdem vermeiden.
Zu viele Pflanzen auf einmal lernen: Zu schnell zu viel wollen. Konzentriere dich lieber auf wenige Kräuter und lerne diese dafür wirklich sicher kennen.
Unsichere Pflanzen essen: Wenn du eine Pflanze nicht eindeutig bestimmen kannst, solltest du sie nicht verwenden. Gerade giftige Doppelgänger können gefährlich werden.
An ungeeigneten Orten sammeln: Straßenränder, Hundewiesen oder gespritzte Felder eignen sich nicht zum Sammeln. Achte immer auf möglichst naturbelassene Standorte.
Zu große Mengen ernten: Wildkräuter sind Teil eines empfindlichen Ökosystems. Sammle deshalb nur kleine Mengen und lasse immer genügend Pflanzen stehen.
Wildkräuter falsch lagern: Frische Kräuter verlieren schnell Aroma und Inhaltsstoffe. Verarbeite sie möglichst direkt oder lagere sie nur kurz und luftig.
MANIFEST
„Wege verlassen, den Pfad über die Waldlichtung suchen, einsame Lichtungen entdecken. Durch das Sammeln habe ich eine völlig neue Verbindung zu den Jahreszeiten und zur heimischen Pflanzenwelt entwickelt.”
TONI VON KRUUT



