Zurück zur Wurzel

Wir beobachten wie sich die Natur in diesen Tagen beginnt zurückzuziehen. Blätter welken. Farben von gold, gelb, orange und braun. Im Herbst wandert die Lebenskraft der Pflanze zurück in ihre Wurzel. Somit ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, um Wurzeln zu sammeln.

 

Wurzeln sammeln wie geht das

Wilde Gründe für Wurzeln

Die meisten Pflanzen schöpfen ihre Energie aus den Wurzeln. In den warmen Monaten geht diese Energie in Form von Pflanzensaft und Nährstoffen erst in die Knospen und Blüten und Blätter. Dann in die Früchte. Dann bewegt sich alles wieder in die Wurzel zurück. All die Nährstoffe und Pflanzenstoffe stecken aktuell in der Wurzel. Dem Speicherort für neue Kraft im nächsten Jahr.

Im Gegensatz zu Blättern sind sie oft nahrhafter, da sie mehr Stärke enthalten. Bevor wir schnell in den Supermarkt springen konnten sicherten Wurzeln uns Menschen das Überleben im Winter. Sie waren eine tolle Ergänzung auf dem Teller und wurden auch zu Heilzwecken verarbeitet. Welche tollen Nährstoffe sie genau enthalten, verraten wir unten.

Wann und wie Wurzeln sammeln

In allen Monaten mit “R” können wir Wurzeln sammeln. Dann steckt viel Kraft in ihnen und sie schmecken milder als im Sommer. Besonders weich und nährstoffreich sind die Wurzeln von Pflanzen im ersten Lebensjahr. Zum Sammelzeitpunkt sollten die Blätter der Pflanze bereits verwelkt sein. Bei älteren Pflanzen nehmen wir die, die während des Sommers prächtig gewachsen sind. Hier können wir davon ausgehen, dass sie eine große Wurzel haben.

Die Herausforderung beim Wurzelsammeln besteht darin, die Pflanze zu bestimmen. Oft ist der obere Teil bereits vertrocknet oder nicht mehr vorhanden. Deshalb ist es super, wenn wir uns im Sommer merken, wo die Pflanze steht. An der genau dieser Stelle, dürfen wir dann im Herbst zurückkehren. Wichtig ist, dass wir die Wurzel wirklich zu hundert Prozent erkennen. Denn auch in unseren Breitengraden gibt es unbekömmliche oder giftige Pflanzen. Wer unsicher ist, kommt erst mal auf einer Wildkräuterwanderung mit.

Als Handwerkszeug haben wir eine Spatengabel oder einen Wurzelstecher dabei. Bei kleinen Wurzeln eignet sich aber auch ein robustes Sammelmesser mit gerundeter Spitze. Mit den Geräten gehen wir aber vorsichtig um, damit wir keine anderen Pflanzen verletzen. Zuerst stechen wir zu und lockern die Erde rund um die Wurzel. Den Rest machen wir mit den Händen. Besonders gut klappt die Ernte bei Regen. Wenn wir sie erfolgreich ausgegraben haben, bürsten wir sie vorsichtig sauber. Ab in den Sammelkorb!

Wie auch beim Sammeln von Blättern nehmen wir ganz wenig mit. Nur so viel wie wir an diesem Tag verarbeiten möchten. Damit der Pflanzenbestand am Sammelort weiterhin groß und abwechslungsreich bleibt. Generell suchen wir auch Orte auf, an denen es viel Bestand dieser Pflanze gibt. Es ist auch möglich, die Wurzeltriebe zu teilen und einen Teil wieder zurückzupflanzen.

Wie wir Wurzeln zubereiten

Wilde Wurzeln enthalten noch alle Pflanzenstoffe und das zeigt sich auch im Geschmack. Häufig schmecken sie einfach intensiver als gezüchtetes Gemüse. Sie enthalten ganz unterschiedliche Nährstoffe uns sind wahre Superfoods mit ganz viel:

  • Ballaststoffe
  • Kalium, Calcium, Magnesium
  • Eisen, Zink
  • Vitamine
  • 
Öle und Kohlenhydrate
  • Aminosäuren und Enzyme

Wurzeln kann man roh oder gekocht essen. Wir raspeln sie gern in Wilde Salate oder bereiten sie wie gekauftes Wurzelgemüse zu: dünsten, kochen, braten… alles ist möglich. Wenn wir die Heilwirkung der Wurzel nutzen möchten, setzen wir eine Tinktur mit Alkohol an oder bereiten einen Tee zu. Dieser darf länger ziehen als ein reiner Tee aus Blättern und Blüten, etwa 10 Minuten.

"In der Wurzel liegt die Kraft."

Wurzeln im Wald sammeln

Unsere Liste: 10 essbare Wurzeln, die wir überall finden

Nachtkerze: Die Wurzeln schmecken ähnlich wie Pastinaken und lassen sich genauso zubereiten. Beim Kochen werden sie rötlich und wurden daher früher „Schinkenwurz“ genannt. Sie enthalten viel Stärke, Eiweiß und Mineralstoffe.

Wilde Möhre: Die Urform unserer heutigen Möhre sollte man nur im ersten Jahr essen. Sonst wird die weiße Wurzel zu scharf und holzig. Im ersten Jahr ähnelt sie im Geschmack der Kulturmöhre, nur süßer. Enthält Ätherische Öle, Flavonoide und Vitamine.

Große Klette: Ihre langen Wurzeln enthalten 70 Prozent Kohlenhydrate (toller Energielieferant!) und sekundäre Pflanzenstoffe. Im Mittelalter wurde sie ähnlich wie die Schwarzwurzel als Gemüse gekocht. Die Ballaststoffe hielten gut satt. Schmeckt wie Schwarzwurzel und enthält tolle antibiotische Eigenschaften.

Löwenzahnwurzel: Die weiße Wurzel graben zum Herbstbeginn aus. Wir können sie roh oder verarbeitet essen, zum Beispiel dünsten. Sie ist voller Inulin und gut für unsere Darmbakterien. In Notzeiten wurde sie als belebende Kaffee-Alternative konsumiert. Und auch in unserem Wilden Kaffee ist sie zu finden. 

Beinwell: Sieht von außen aus wie Schwarzwurzel. Drin stecken tolle Nährstoffe. Als Tee sollen sie reinigend wirken. In der Heilpflanzenkunde wird er bei Knochenbrüchen, und Verstauchungen eingesetzt. Seine Wirkstoffe fördern die Bildung von Kallusbildung im Knochen. Außerdem lindert das Allantoin Schmerzen müder Beine.

Baldrianwurzel: Enhält Iridoide und atherische Öle. Mit ihm stellen wir vor allem Tinkturen her. Er beruhigt uns, entspannt die Muskeln und hilft uns beim Schlafen. Einen Tee aus der Wurzel lassen wir 10 Minuten ziehen und trinken ihn abends. Oder wir mischen uns einfach unser Oxymel Ruhe mit Baldrianwurzel an.

Wegwartenwurzel: Sie zählt zu den Zichoriengewächsen. Die enthaltenen Bitterstoffe helfen bei Verdauungsbeschwerden und Appetitlosigkeit. Inulin ist ein tolles Futter für unsere Darmbakterien. In der Pflanzenheilkunde finden wir sie als Tee für Leber- und Verdauungsbeschwerden. Dieses Inulin ist auch, was im gerösteten Zustand nach Kaffee schmeckt. Deshalb war sie in Notzeiten in Muckefuck-Kaffeepulver. Heute steckt sie in unserem Wilden Kaffee.

Meerrettich: Unser liebstes natürliches Antibiotikum (Phytobiotikum) und Immununterstützer. Verantwortlich für die Schärfe und auch die Wirkung gegen Bakterien, Pilze und Viren sind die enthaltenen Senföle, die beim Zerkleinern aus den Senfölglykosiden entstehen. Wir verwenden ihn ausschließlich frisch, zum Beispiel in unserem Rachenputzer-Honig. 

Knoblauchsrauke: Wir raspeln die weiße Wurzel und verwenden sie wie Meerrettich. Sie ist ein ähnlich scharfes Gewürz. Damit wir alle tollen Nährstoffe aufnehmen, verwenden wir sie nur roh. Am meisten Pflanzenkraft steckt in der einjährigen Pflanze. Ältere Wurzeln sind holzig und nicht so lecker.

Malve: Die Wurzeln schmecken eher mild. Durch ihre Inhaltsstoffe wirkt sie antibakteriell und entzündungshemmend. Weil sie viel Stärke enthalten, können die Wurzeln gut Suppen binden.


Nichts erdet uns im wahrsten Sinne des Wortes mehr als Wurzeln zu graben. Mit den Händen in die feuchte Erde tauchen, sich richtig anstrengen zu müssen und am Ende ein Stück wilde Natur in den Händen halten können. Uns macht das extrem glücklich. Und es ist eine schöne Erinnerung an den Rhythmus der Natur. Die Energie wandert mit den Monaten von den Blättern in die Wurzel und zurück. So auch in unserem eigenen Leben, wo wir im Sommer vor Energie strotzen und uns im Winter zurückziehen möchten. Das bewusst zu zelebrieren entschleunigt unseren Alltag.