JOHANNISKRAUT
SAMMELN & VERARBEITEN
Rotöl einfach selbst herstellen.
Ein Klassiker der Pflanzenkunde!
5 MIN
Es leuchtet strahlend gelb an Wegrändern, Böschungen und Wiesen. Das Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist eine der bekanntesten Wildpflanzen der europäischen Pflanzenkunde. Heute ist es aber oft nur noch als Kapsel aus dem Reformhaus bekannt. Dabei lässt es sich im Sommer ganz einfach selbst zu einem wohltuenden „Rotöl“ verarbeiten. Wir zeigen dir, wie es geht.
Johanniskraut: Die Mittsommer-Pflanze
Kaum eine Pflanze ist so gut erforscht wie das Johanniskraut. Der rote Farbstoff Hypericin, der beim Zerreiben der Blüten entsteht, ist das bekannteste Merkmal der Pflanze und gleichzeitig ein einfacher Bestimmungstest: Wenn deine Finger sich nach dem Reiben dunkelrot färben, bist du richtig.
Das Johanniskraut-Öl wird in der traditionellen europäischen Pflanzenkunde nur äußerlich angewendet. Etwa bei angespannter oder gereizter Haut, nach langen Tagen in der Sonne oder zur wohltuenden Massage. Der lateinische Artname perforatum (durchlöchert) beschreibt die kleinen, hellen Drüsenpunkte auf den Blättern, die das ätherische Öl enthalten und im Gegenlicht wie kleine Fenster aussehen.
Das Johanniskraut blüht rund um den Johannistag am 24. Juni. Der Tag gab dem Kraut seinen Namen und läutet gleichzeitig die klassische Ernte-Saison ein. Wer im Hochsommer draußen ist, hat gute Chancen, es am Wegesrand, auf sonnigen Wiesen, an Böschungen oder Feldrändern zu entdecken.
Johanniskraut sammeln: Darauf solltest du achten
Die Hochsaison für Johanniskraut liegt zwischen Juni und August. Geerntet werden die frisch geöffneten Blüten und die oberen Blätter. Am besten sammelst du an trockenen Tagen, wenn kein Tau mehr auf der Pflanze sitzt. Feuchtigkeit im Öl kann Schimmel fördern, deshalb gilt: lieber mittags als morgens ernten.
Die Pflanze wächst an sonnigen, trockenen Standorten. Denk an Wegränder, Bahnböschungen oder Magerwiesen. Sie wird 30 bis 90 cm hoch, hat gegenständige, eiförmige Blätter und goldgelbe Blüten mit auffälligen Staubgefäßen. Der einfachste Bestimmungstest: Eine Blüte oder ein Blatt zwischen den Fingern zerreiben. Färbt sich der Saft rötlich bis dunkelrot? Dann hast du das richtige Johanniskraut gefunden.
Wie immer gilt: Sammle nur, was du zu 100 % sicher bestimmen kannst, an sauberen Standorten und lasse immer etwa zwei Drittel des Pflanzenbestandes für die Insekten stehen. Wie du mit dem Wildkräutersammeln startest und was es zu beachten gilt, erfährst du hier.
Was ist Rotöl und wie wird es angewendet?
Rotöl ist ein Ölmazerat: Frische Johanniskrautblüten werden in ein Trägeröl (klassischerweise Olivenöl) eingelegt und ziehen aus. Die rote Farbe entsteht durch den Pflanzenstoff Hypericin, der sich langsam im Öl löst. Damit sich der zunächst grüngelb wirkende Ansatz tiefrot färbt, braucht es ca. 4 Wochen Ruhe, Sonnenlicht und Wärme.
Äußerlich angewendet entfaltet das Hypericin vor allem entzündungshemmende, antibakterielle und wundheilungsfördernde Eigenschaften. Du kannst es beispielsweise bei Hautreizungen oder Rötungen nutzen, auf verspannte Muskeln oder auf Narben auftragen und sanft einmassieren.
Fun Fact: Das Hypericin im Öl kann die Haut gegenüber UV-Strahlen sensibilisieren. Diese Photosensibilisierung macht die Haut lichtempfindlicher, sodass du nach dem Auftragen von Rotöl direktes Sonnenlicht meiden solltest.
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Johanniskraut-Rotöl: Das Rezept
Ein warmer Sommertag, ein Einmachglas im Gepäck und anschließend vier Wochen Geduld. So einfach entsteht das Johanniskraut Rotöl, eines der zugänglichsten DIY-Projekte der Kräuterküche.
Zutaten für 1 Glas
1 Handvoll frische Johanniskrautblüten und obere Blätter
200 ml hochwertiges Olivenöl (oder Mandelöl)
1 sauberes Schraubglas
Zubereitung
Frisch geerntete Blüten und Blätter nicht waschen. Stattdessen auf einem hellen Leinentuch in der Sonne ausbreiten und ein bis zwei Stunden anwelken lassen. So krabbeln kleine Tierchen heraus und überschüssige Feuchtigkeit verdunstet.
Dein gesammeltes Johanniskraut locker in das Schraubglas füllen. Es sollte etwa zu zwei Dritteln gefüllt sein. Anschließend vollständig mit Öl bedecken, bis alle Pflanzenteile gut umschlossen sind.
Das Glas verschließen und für vier bis sechs Wochen an einen sonnigen, warmen Platz stellen.
Jeden zweiten Tag kurz schwenken.
Je wärmer es ist, desto schneller färbt sich das Öl rötlich. Nach der Auszugszeit durch ein feines Sieb oder Tuch abseihen, gut ausdrücken und in eine dunkle Flasche füllen. Kühl und dunkel gelagert hält das Rotöl etwa ein Jahr.
Tipp: Wer keinen sonnigen Platz hat, kann den Ansatz alternativ im Wasserbad bei ca. 40 °C sanft erwärmen. Das beschleunigt den Prozess auf wenige Stunden. Das Ergebnis ist ähnlich, aber die traditionelle Methode im Sonnenlicht gilt als schonender.
MANIFEST
„Das strahlende Johanniskraut ist für mich die Sommerpflanze schlechthin und das beste Argument dafür, jetzt zum Sammeln nach draußen zu gehen. So machen wir uns die Sommerkraft für den Winter ganz einfach haltbar.“
LINA VON KRUUT



