Jahreskreisfeste

Alles in der Natur wiederholt sich in Zyklen. Denen passen wir Menschen uns schon seit Jahrtausenden an. Wir zelebrierten Rituale zu bestimmten Daten, um die Wendungen und Veränderungen unserer Umwelt bewusst wahrzunehmen. In unseren Breiten feierten die Kelten acht Feiertage in ihrem Jahreskreis. Wir stellen alle einmal vor.

 

 In diesem Artikel erfährst du:

  • Wie berechnen sich die keltischen Jahreskreisfeste?

  • Wann finden die Jahreskreisfeste Imbolc, Ostara, Beltane, Litha, Lughnasadh, Mabon, Samhain und Jul statt?
  • Welche Rituale gibt es zu den jeweiligen Jahreskreisfesten?

  • Wie können wir heutzutage zu Hause die Jahreskreisfeste der Kelten feiern?


Inspiration.

Die Rituale zu den Jahreskreisfesten richteten die Kelten in engem Bezug zur Natur nach dem Stand der Sonne, des Mondes und der jeweiligen Jahreszeit aus. Heute haben sie an Bedeutung verloren. Dabei wären sie eine Chance für uns, unseren Rhythmus im Leben zu finden, uns selbst zu reflektieren. Uns von den verschiedenen Phasen der Jahreszeiten inspirieren zu lassen und uns ihnen anzupassen. Weg vom Bildschirm und Einfluss von außen, hin zu den eigenen Bedürfnissen. Entschleunigung.

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Jahr und Tag.

Die Kelten sahen das Jahr wie einen Tagesablauf: Morgen, Mittag (die Sommersonnenwende), Abend und Nacht (die Wintersonnenwende). In einem Jahreszyklus durchschreiten wir diese Feste:

I M B O L C

- Lichtmess
1. Februar

Winterschlaf. Heute, 40 Tage nach Jul, begrüßen wir endlich wieder das Licht. Die Tage sind nun deutlich länger, die Temperaturen steigen langsam an. In der Natur keimen die Samen in der Erde. Noch ist nichts zu sehen, aber wir sind in der Phase des langsamen Wiedererwachens. Fest des Lichtes, Fest der Reinigung. Im Jahreskreiszyklus beginnt eine neue Runde. Nach keltischen Sagen bringt uns die Göttin der Unterwelt heute endlich Licht. In alten irischen Traditionen bringt an diesem Tag Brigid nicht nur Licht, sondern auch Inspiration. Ihr wird häufig die kräftigende Birke zugeordnet. In dieser Nacht können wir gut eine reinigende Mischung aus Birkenblättern und Thymian räuchern. 
Für Bauern war es eine Zeit der Prognose des kommenden Jahres. Sie lasen in diesen Tagen das Wetter der kommenden Monate ab: “Lichtmess trüb, ist dem Bauern lieb.” Die christliche Kirche interpretierte diesen Tag als Lichtmess, an dem Kerzen geweiht und der Christbaum endgültig abdekoriert wird. 
Weil wir vom Winterschlaf ausgeruht sind, haben wir immer mehr Energie. Noch befinden wir uns in der Vorbereitung auf ein neues, fruchtbares Jahr. Ein letztes Kraftschöpfen und entschlossenes Reflektieren bevor der Frühling kommt. Ein leises Prickeln.

Traditionell wird an diesem Tag ein Kreuz aus Stroh geflochten und entzündet. Oder aber auch Verkleidung angelegt, um ausgelassen miteinander zu feiern. Wir schlagen unser Tagebuch auf und fragen uns:
Was möchte in mir wachsen?

O S T A R A

- Tag- und Nachtgleiche
21. März

Es ist der Tag, an dem Tag und Nacht genau gleich lang sind. Ab jetzt hat das Tageslicht das Dunkle der Nacht überholt. Das fühlen auch wir in unserem Körper. Endlich spüren wir wieder mehr Motivation für anstehende Projekte. Lebenslust und Leichtigkeit. 
Die Germanen feierten in diesen Tagen ihre Frühlingsfeste. Die Göttin des Frühlings ist erwacht und bringt Fruchtbarkeit. Die Natur treibt aus, erste zarte Blüten recken sich in die Sonne. Kein Wunder. Denn die Natur hat es auch für uns Menschen so eingerichtet, dass unsere Hormone zu diesen Zeiten besonders aktiv sind. Frühlingsgefühle. 
Der Winter ist nun endlich komplett hinter uns und wir tanken frische Energie. Die nutzen wir gleich, um uns in reinigenden Ritualen zu klären. Bei einem Frühjahrsputz gewinnen wir Klarheit. Für manche ist es auch eine gute Gelegenheit, um sich in einer Frühlingskur zu stärken.
Herrscht in uns lebhaftes Chaos im Bauch, Herz und Kopf? Vielleicht hilft es, kreativ zu sein, sich einfach nur am Leben zu erfreuen. Unsere Energie ist bestens dabei aufgehoben, was uns Freude bringt. Zeit für die Planung von Herzensprojekten.
Traditionell werden Sträuße aus Hasel, Weide und Birke gebunden und mit bunten Bändern verziert. Ein Schutz des Hauses. Wir genießen bewusst das Tageslicht auf einem Spaziergang in der Sonne und fragen uns:
Welche Unterstützung brauche ich, um meine Pläne zu verwirklichen?

B E L T A N E

- Walpurgis
1. Mai

Der fünfte Vollmond nach Wintersonnenwende markiert das Ende des Winters und steht für die Fruchtbarkeit der Erde. Es ist das Fest der „strahlenden Sonne“ (Bel = "strahlend, leuchtend“ , Tene = „Feuer“). Die Kelten feierten mit großen Freudenfeuern und Ritualen. Heute haben wir dieses Fest auf den 1. Mai festgelegt. Beltane steht für die Freude über das Ende des kräftezehrenden Winters. Es konnte wieder gesät, gepflanzt und Pläne geschmiedet werden. „Alles neu, macht der Mai.“
Als Pendant zum heidnischen Beltane schuf die Kirche ein christliches Ersatzfest. Der Tag wird Walpurga gewidmet, einer Äbtissin, die am 1. Mai heiliggesprochen wurde. Wir stimmen uns auf die warmen Monate ein, wenn die Natur in ihrer vollen Vitalität steht.
Es war auch die Zeit der Lust, Liebe und Freude. Ehen wurden zusammengeführt und wild getanzt. Symbolisch tanzen wir auch heute noch um das Maifeuer und springen über unseren Schatten. Zeit der Selbstreflektion. Wir nehmen unseren Mut zusammen, um Entscheidungen zu fällen oder Neues zu wagen. Wir machen uns eine Kerze an und fragen uns:

Wohin darf mich mein Tatendrang führen?

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L I T H A

- Sommersonnenwende
21. Juni

Es ist der Beginn des Hochsommers. Die Sonne hat ihren höchsten Stand erreicht. Die Natur hat an diesem längsten Tag des Jahres ihre volle Kraft. Das gesäte Gut wächst.

Große Feuer symbolisierten bei den Kelten den Sonnengott Baldur. Er stirbt an diesem Tag und wird zur Wintersonnenwende wiedergeboren. Erst die christliche Kirche verbreitete den Gedanken der Endlichkeit und den Tod als Tag der Trauer. 
Es ist auch ein Fest der Reinigung. Wer über das Feuer springt ist rein. Alles Alte kann symbolisch im Feuer verbrannt werden. Die Kirche christianisierte diesen Brauch und nannte es Johannisfeuer, bei dem um Fruchtbarkeit gebeten wird. Der Name steht in Verbindung mit der Johannisbeere und dem Johanniskraut, die an diesem Tag genau reif sind. Ein Kränzchen aus Johanniskraut, Margeriten und Klee soll unter dem Kopfkissen in dieser Nacht vor Krankheiten schützen. 
Dieser Höhepunkt bedeutet aber auch, dass die Tage von nun an kürzer werden. Die dunkle Jahreszeit beginnt. Es ist ein Ritual, um sich bewusst zu machen, dass alles, was aufstrebt auch wieder sinken wird. In dieser Nacht gilt es aber, sich über die Fülle zu freuen, um sie in den kommenden Monaten nicht zu vergessen.
Heute gehen wir in der Mittagspause lang nach draußen in die Sonne. Die Frage heute:

Wofür brennst du?

L U G H N A S A D H

- Schnittfest
1. August

Diese Feierlichkeiten haben in Irland ihren Ursprung als Totenfest. Symbolisch stirbt der Getreidegott Lugh zu dieser Zeit, da geerntet wird. Er opfert sich für die Menschen. Auch heute backen manche noch ein festliches Brot und binden Sträuße aus Getreide und Kräutern. Auf dem Band werden die Wünsche für die nächste Zeit festgehalten.
In der Nacht auf den ersten August begrüßten die Menschen den Herbst. Gleichzeitig wurde auch der Beginn der Erntezeit einberufen. Kräuterweihe. Dazu veranstaltete man lange Zeit große Märkte und ausgiebige Feste mit Musik und Tanz. In diesen Tagen fühlten die Kelten eine starke Verbindung zur anderen Welt und den Feen der irischen Hügel. 
Auch für uns ist nun Zeit mit der Ernte zu beginnen. Nun sammeln wir die Früchte unserer Arbeit und bereiten uns auf den Winter vor.
Wir nehmen uns Zeit, unsere Ernte aus dem Garten einzuholen und kochen etwas Leckeres. Mit den Händen in der dunklen Erde fragen wir uns:

Was darf ich ernten? Wo setze ich ein klares Ende?

M A B O N

– Herbsttagundnachtgleiche
22. September

Heute sind Tag und Nacht genau gleich lang. Im Tagesablauf wäre hier Abendrot, Dämmerung. Unsere Vorfahren zelebrierten diesen Übergang von Tag zu Nacht. Der Sommer geht über in den Winter. 
Wir blicken zurück auf den Sommer und voraus auf den bevorstehenden Winter. Einerseits danken wir für die üppige Ernte, andererseits stellen wir uns auf den Winter ein. Wir füllen unsere Speicher. Uns sind zu dieser Zeit viele alte Traditionen wie Kartoffelfeuer, Weinfeste und Almabtriebe mit geschmückten Kühen bekannt. 
Namensgeber des Festes ist Mabon, der Sohn der keltischen Muttergöttin. Sie steht für Tod und Wiedergeburt und will Mut machen. Damit wir voller Vertrauen und mit Hoffnung durch die anstehende, schwere Zeit gehen können.
Es fühlt sich schon langsam herbstlich an und wir reflektieren in einer Meditation:

Was habe ich dieses Jahr geschafft? Wofür bin ich dankbar? 

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S A M H A I N

– Beginn des Winterhalbjahres
31. Oktober

Wir kennen dieses Fest heute als Vorabend zu Allerheiligen oder auch Halloween. Bei den Kelten ist es der Beginn der Jahresnacht. Das Winterhalbjahr beginnt. Diese Nacht war ein Zwischenraum, ein Chaos, in dem das Jenseits, die Toten, und das Diesseits miteinander kommunizieren können. Um böse Geister aus der anderen Welt abzuschrecken, verkleideten sich die Kelten
Keltische Völker entzündeten an diesem Erntefest Feuer. Es sollte sie reinigen und vor der kommenden Kälte schützen. 
Symbolisch stirbt an diesem Tag die Sonne. Nach einer Erntephase legt sich Mutter Natur zu Ruhe, um Kraft für den Frühling zu sammeln. Für uns Menschen ist es ebenfalls Zeit, Altes loszulassen und neue Ideen zu säen. Wir dürfen die Stille genießen und uns unserer Wurzeln bewusst werden. Bei einer wärmenden Tasse Kräutertee fragen wir uns:

Wovon will ich mich lösen?

J U L

– Wintersonnenwende
21. Dezember

Heute kennen wir ihn als längste Nacht des Jahres. Die Kelten zelebrierten, dass die Sonne wiedergeboren wird. Daher auch der Name “Mutternacht”. Manche ziehen hier eine Parallele zum Christuskind und unserer geweihten Nacht, Weihnacht. Es wird also neues Leben geboren, die Nächte werden wieder kürzer, unsere Kräfte kommen zurück. Unsere Vorfahren meinten zu spüren, dass nun neues Leben aufkeimt. In der Erde sich etwas zu regen beginnt. Endlich ist das Ende der Kälte abzusehen.
Für uns heute ist es ein Lichtblick, weg von Melancholie. Raum für mehr Hoffnung und Lebensfreude. Im süddeutschen Raum zelebriert man sogar zwölf Nächte lang, die sogenannten Rauhnächte, die heiligsten Nächte des Jahres.
Wir gehen an diesem Tag bewusst in die Natur und freuen uns, dass wir die Sonne nun länger am Himmel sehen. Ein schönes Ritual ist auch, mit Freunden und Familie ein kleines Feuer zu machen oder Fackeln anzuzünden. Wir kehren in uns und formulieren unsere Ziele und Wünsche für das neue Sonnenjahr. In einem Räucherritual fragen wir:

Wie geht es mir gerade? Was möchte ich ins neue Jahr mitnehmen?


Auch wenn wir uns vielleicht nicht mehr mit den Kelten verbunden fühlen, finden wir diese alten Feiertage immer einen wunderbaren Anlass, um zu reflektieren. In uns zu blicken, mit dem Rhythmus des Jahres zu gehen und es bewusst zu erleben. Denn auch wir Menschen sind Teil dieses Zyklus'.