Naturheilkunde für die kalte Jahreszeit

Erkältungszeit. Unsere Großeltern kannten so einige Kniffe und Tricks, um gegen Krankheit vorzugehen. Diese haben wir heute oft bereits vergessen. Zu sehr vertrauen wir inzwischen auf alles, was in Blisterverpackungen und Plastiktütchen über den Apothekertisch verkauft wird. Wir möchten gern einen Schritt zurück gehen und daran erinnern, dass unsere heimischen Wildkräuter uns bereits mit allen Nährstoffen versorgen, die wir brauchen. In einfachen Hausmitteln können wir uns ihrer Heilwirkung bedienen. Ganz ohne Nebenwirkung. Für die fünf Rezepte, die wir euch für Hausmittel in der kalten Jahreszeit vorstellen, habt ihr mit Sicherheit schon alles zu Hause oder direkt vor der Haustür. 

 

Erkältungsstulle

Mensch und Pflanze

Auch wenn es heute in der Stadt nicht mehr jeden Tag so präsent ist: Pflanzen sind für uns überlebenswichtig. Sie sind nicht nur Nahrung, sondern säubern unsere Luft, klären das Wasser und regulieren das Klima. Und sie haben heilende Wirkung auf unseren Körper. Früher waren sie die einzige Hilfe, den Winter zu überstehen, Wunden beim Heilen zu unterstützen, Blut zu stillen oder Erkältungen zu mildern. Wir Menschen beobachten sie seit Jahrhunderten, testeten ihre Wirkung und gaben das Wissen weiter. 

Im Mittelalter wurde versucht, die Pflanzen und ihre Heilwirkungen systematisch festzuhalten. Dabei orientierte man sich an Aussehen, Duft, Geschmack, Struktur, Form oder Umfeld der Pflanze. Daraus sollte die Wirkung auf den Menschen abgeleitet werden. In vielen Fällen entstanden so gute Eselsbrücken. Heute wissen wir einiges mehr auf wissenschaftlicher Ebene und können viele Wirkungsweisen, die uns über die heimischen Pflanzen übertragen wurden, bestätigen.

Einfaches altes Wissen

Heute geht das alte Wissen immer weiter verloren. Was für unsere Großeltern noch selbstverständlich war, dürfen wir heute wiederentdecken. Spielerisch, mit Freude und Staunen vor dem neuen Alten. Das schöne an alten Hausmitteln ist, dass wir die Zutaten dafür oft schon zu Hause haben. Das rettet uns, wenn uns das Unwohlsein nachts oder am Wochenende erwischt. Außerdem sind die Anwendungen meist sehr einfach, kostengünstig und schnell
Vor allem kommen sie ohne künstliche Zusatzstoffe oder Nebenwirkungen. Anders als beispielsweise Antibiotika zerstören sie nicht die bereits funktionierenden Systeme im Körper. In diesem Beispiel also die Darmflora. Im Gegenteil: Hausmittel wirken holistisch auf das ganze System. Oftmals haben die Heilpflanzen nämlich nicht nur eine spezifische Wirkung, sondern ein ganzes Spektrum. Daraus dürfen wir schöpfen.

Wir stellen euch fünf ganz einfache Rezepte aus der Naturheilkunde vor, die ihr zu Hause einfach umsetzen könnt. Wir sind uns sicher, dass ihr dafür alles bereits im Regal oder vor der Haustür stehen habt.

 

Knoblauchbrot

Erkältungsstulle bei angehender Erkältung

Sobald es früher im Hals zwickte gab es bei Großmutter Janne zu Hause ein Erkältungs-Brot aus dem Ofen. Es duftete herb-süßlich und zauberte jedes Kratzen oder erstes Hüsteln weg. Sie verwendete drei natürliche Antibiotika, auch als Phytobiotika bekannt. 

Waldhonig sorgt mit seinen rund 200 Inhaltsstoffen für Linderung. Er beruhigt den Hustenreiz und lindert Halsschmerzen. Knoblauch enthält Allicin, das keimtötende Eigenschaften aufweist. Jedoch ohne unsere nützlichen Darmbakterien anzugreifen. Thymian enthält das ätherische Öl Thymol. Dieses hemmt das Wachstum von Viren und Bakterien.

Für das Rezept eine Scheibe Brot im Ofen oder Toaster anwärmen. In der Zwischenzeit rohen Knoblauch in dünne Scheiben schneiden. Thymianblättchen abzupfen. Brot mit Butter oder Margarine beschmieren. Einen Teelöffel regionalen Akazienhonig auftragen und mit Knoblauch und Thymian garnieren.

Spitzwegerich Honig bei Husten

Spitzwegerich ist unser natürliches Hustenmittel von der Wiese. Die im Spitzwegerich enthaltenen Schleimstoffe legen sich wie eine Schutzschicht auf unsere Schleimhäute. Dadurch können sich Viren und Bakterien schlechter festsetzen. Um Spitzwegerich-Honig selbst zu machen brauchst du:

  • Zwei Handvoll Spitzwegerich
  • 200g flüssiger Bio-Honig
  • Ein Schraubglas

Den lanzettförmigen Spitzwegerich findest du fast überall und auch in den kühleren Monaten noch. Nach dem Sammeln wäschst du die Blätter und trocknest sie sorgfältig ab. In dieser Zeit kannst du das Schraubglas desinfizieren oder auskochen. Schneide den Spitzwegerich klein und schichte Honig und Spitzwegerich abwechselnd in ein Gefäß. Gut umrühren!

Das Glas lässt du für einen Monat an einem kühlen, dunklen Ort stehen. Ab und zu gut durchschütteln, damit sich die Nährstoffe gut ablösen. Dann kannst du den Spitzwegerich abseihen, indem du den Honig durch ein Sieb tropfen lässt. Fertig ist dein natürliches Hustenmittel! Mehr über den Spitzwegerich erfährst du übrigens hier.

Zwiebelsäckchen bei Ohrenschmerzen und Ohrenentzündung

Die Zwiebel. Sie kostet wenig und wir haben sie immer zu Hause. Sie wirkt antibakteriell und ihre Inhaltsstoffe können Blutfettwerte und Blutdruck senken. Im Darm wirkt sie wie ein Schwamm, der Giftstoffe aufsaugt und abführt. Die Zwiebeldämpfe wirken schmerzlindernd. In der roten Zwiebel sind neben Flavonoiden, Vitaminen, Kalium und Schwefel noch weitere Polyphenole enthalten. Sie sind entzündungshemmend und gefäßschützend. Für ein heilendes Zwiebelsäckchen brauchst du:

  • 1-2 Zwiebeln
  • ein altes Stofftuch
  • Gummi oder Garn
  • Topf mit heißem Wasser oder Wärmflasche


Zwiebel fein hacken und in die Mitte des Tuchs legen. Tuchenden anheben und den Stoff zu einem Bündel formen. Mit Gummi oder Garn fixieren. Bündel fest wringen, damit mehr Zwiebelsaft in den Stoff übergeht. Über dem Wasserbad erwärmen. Auf das betroffene Ohr legen und mit einem Stirnband fixieren. Alternativ unerhitztes Bündel auf das Ohr legen und eine (nicht zu heiße) Wärmflasche darauflegen. 30-60 Minuten liegen bleiben. 3 Mal täglich wiederholen.

 

Erkältungskräuter

Dampfbad bei Erkältung mit Schnupfen

Ähnlich wie bei Tee können wir bei einem Dampfbad verschiedene Heilpflanzen miteinander kombinieren. Bei verstopften Atemwegen nehmen wir Pfefferminze und Thymian. Sie wirken besonders wohltuend auf die Nebenhöhlen. Sie unterstützen das Atemsystem und verhindern das Ausbreiten von Bakterien. Beide sind außerdem Schleimlöser. Und der Duft wirkt beruhigend auf uns. Um ein Dampfbad selbst durchzuführen, brauchst du:

  • 1,5 L kochendes Wasser in einem Topf

  • ein großes Handtuch

  • 1 EL getrockneter Thymian (alternativ frische Zweige oder ätherisches Öl)

  • 1 EL getrocknete Pfefferminze (alternativ frische Zweige oder ätherisches Öl)

Kräuter in das Wasser geben. Warten bis das Wasser nicht mehr zu heiß ist (Achtung, Verbrennungsgefahr). Über den Topf beugen, das Handtuch über den Kopf und der Schüssel ausbreiten. 10-15 Minuten tief ein- und ausatmen. Dann 30-60 Minuten im Bett ruhen. 

Lindenblütenhonig

Lindenblüten helfen Viren auszuschwitzen. Sie beruhigen uns und wirken außerdem entzündungshemmend. Deshalb sind sie toll als Tee oder Schwitzkur. Eingelegt in Honig übertragen sie diese Eigenschaften. 

Honig selbst enthält wie bereits erwähnt tolle Nährstoffe und ist schon seit der Antike als Heilmittel bekannt. Mit seiner Hilfe wurden Erkältungskrankheiten, Fieber und schmerzendem Husten behandelt. Er löst nachweislich tief festsitzenden Schleim, lindert die Schmerzen und hat eine antibiotische Wirkung. Als Energiequelle schenkt er uns etwas Kraft, wenn wir krank sind.
In diesem Rezept und auch in unseren Oxymels wirkt Honig konservierend und extrahierend. So kommen die Rezepturen ohne Hitze und künstliche Konservierungsmittel oder Extraktionshelfer aus. Für deinen eigenen Lindenblütenhonig brauchst du:

  • 4 Hände voll Lindenblüten
  • 500 g Akazienhonig

Im Hochsommer die Lindenblüten sammeln. Gut abschütteln, aber nicht waschen. Mit Honig vermischen. 3 Tage ziehen lassen. Lindenblüten durch ein Sieb abfiltern und den Honig auffangen. In ein Apothekerglas umfüllen und beschriften. 

 

Wir hoffen, dass wir euch ein paar tolle Tipps mit auf den Weg geben konnten wie ihr die Erkältungszeit auch ohne chemische Medikamente übersteht. Natürlich gilt immer: Vorsicht ist besser als Nachsicht. Deshalb nehmen wir unsere Dosis Wildkräuterkraft täglich zu uns. Zum Beispiel als Tee, Oxymel oder Wildkräuterpulver. Die versorgen und mit allen Nährstoffen, die unser Immunsystem benötigt, um sicher über die kalte Jahreszeit zu kommen.