Heilpflanzen für den Winter

Wie die Menschen früher durch den Winter kamen, ist kein Geheimnis. Sie nutzten das, was sie vor ihrer Haustür, in ihrem Garten fanden. So hielten sie den gesamten Winter über ihr Immunsystem intakt und heilten sich von Erkältungen. Dieses Wissen geht heute mehr und mehr verloren. Das möchten wir verhindern und stellen euch heimische Superfoods vor, die euer Immunsystem generell unterstützen oder aber helfen, wenn es zu spät ist und ihr an Husten, Schnupfen, Heiserkeit leidet.

  

Tanne Winter
Winter Wunderland

Warum Wildkräuter im Winter?

Die dunkle Jahreszeit steht vor der Tür. Wir versuchen fit zu bleiben, besonders in diesen Zeiten. Neben den üblichen Maßnahmen wie genug Schlaf, frischer Luft und wohltuende Bewegung achten wir auf abwechslungsreiche Ernährung. Obst und Gemüse aus dem Supermarkt (sogar aus dem Bioladen) enthält oftmals nicht mehr so viele Nährstoffe wie wir denken. Die Lebensmittel sind kultiviert, auf Ertrag, Aussehen und Geschmack gezüchtet. An diesem Punkt können uns aber wilde Kräuter unterstützen. Heimische Wildkräuter stecken voller Vitamine, Mineralien und wertvolle Pflanzenstoffe. Diese können heilend auf unseren Körper wirken. Wir schauen uns das genauer an.

Immunsystem

Das Immunsystem ist unser körpereigenes Abwehrsystem. Ein ziemlich komplexes Netzwerk aus verschiedenen Organen und Geweben. Es sorgt dafür, dass in den Körper eindringende Bakterien, Viren, Pilze, Schadstoffe oder Parasiten unschädlich gemacht werden. Daran beteiligt sind beispielsweise Haut, Schleimhäute, Mandeln, Lymphsystem, Milz, Thymus und der Darm. Der Darm und die Darmflora beherbergen fast 80% aller Antikörper-bildenden Immunzellen. Ein gesunder Darm sind also unbedingt notwendig für ein gut funktionierendes Abwehrsystem. Dieses Abwehrsystem dürfen wir vor allem jetzt im Winter unterstützen. Dafür versuchen wir unseren Körper mit den Vitaminen A, C, D und E, sowie den Mineralien Eisen, Zink und Selen zu versorgen. Das funktioniert super mit heimischen Wildpflanzen, die durchschnittlich dreimal so viele Vitamine enthalten wie Supermarktgemüse.

Wirkstoffe 

Viele dieser tollen Wildkräuter sind Schleimdrogen. Sie bilden einen Film und verhindern so eine Austrocknung unserer Schleimhäute in Nase und Mund. Der Abtransport von Fremdstoffen wird unterstützt. Wenn die körpereigene Schleimhaut im Winter aus ihrem Gleichgewicht gerät, ersetzen Pflanzenschleime die natürliche Schleimschicht des Körpers. Die Gerbstoffe, die außerdem in vielen Kräutern enthalten sind, wirken adstringierend auf die Schleimhaut und entziehen so Bakterien den Nährboden. Sekundäre Pflanzenstoffe wie Aucubin bildet die Pflanze, um sich gegen Fraßfeinde zu schützen. In frischem Zustand hemmt es das Wachstum von Bakterien.
Unsere heimischen Superfoods sind also vollgepackt mit Wirkstoffen und Nährstoffen. Und stehen uns direkt vor der Nase zur Verfügung. 

Melisse

Spitzwegerich

Immunkräuter

Kräuter wirken nicht nur auf das Immunsystem. Heilpflanzen und -kräuter haben eine vielzahl an Wirkungen. Wir stellen euch die wilden Helfer vor, die wir unter anderem für die Unterstützung unseres Immunsystems verwenden. Und wir gehen darauf ein, wie sie speziell bei Erkältungen und deren Symptomen helfen können:

  • Hagebutte: ist eine der Vitamin-C-reichsten Pflanzen der Welt. Ihr hoher Gehalt an Flavonoiden und Antioxidantien unterstützt das Immunsystem. In der Pflanzenheilkunde wird sie unter anderem bei Halskratzen, Erkältungen und Grippe eingesetzt.
  • Knoblauch: ist ein natürliches Antibiotikum. Das enthaltene Allicin weist keimtötende Eigenschaften auf, ohne die nützlichen Darmbakterien anzugreifen.
  • Brennnessel: enthält jede Menge Eisen, Calcium, Zink, Vitamine und Magnesium. Sie stärkt das Immunsystem besser als der Sonnenhut (Echinacea). Brennnessel unterstützt die Vermehrung unserer Abwehrzellen und fördert die Antikörperbildung. Anders als der Sonnenhut soll sie auch die Aktivität der weißen Blutkörperchen stärken. Der Sonnenhut kommt übrigens ursprünglich aus Nordamerika und ist nicht heimisch.
  • Holunder: seine Blüten und Beeren haben antivirale Eigenschaften. In der Pflanzenheilkunde findet man sie bei blockierten Atemwegen, Husten, Grippe und Erkältung. Und um Fieber zu senken und stimulieren den Körper, auszuschwitzen.
  • Rosmarin: enthält tolle Antioxidantien und befreit unsere Atemwege dank des enthaltenen ätherischen Öls.
  • Quendel: ist mit Thymian verwandt und wirkt antiviral. Hildegard von Bingen bekämpfte Husten und Atemnot mit der wohlriechenden Pflanze. Er ist ein super Schleimlöser und lindert Schmerzen bei fiesen Hustenanfällen. Heute wissen wir, dass das ätherische Öl, Thymol Bakterien und Viren entgegenwirkt.
  • Dost: kennen wir oft unter dem Namen Oregano. Wir sammeln für heilkundliche Zwecke die Sprossspitzen. Sie enthalten ätherische Öle, Gerbstoffe und Harz. Dost soll Husten und einen entzündeten Rachen beruhigen.
  • Salbei: ist eine der ältesten bekannten Heilpflanzen. Salvia officinalis, also offizielle Heilung. Er wirkt unter anderem zusammenziehend und desinfizierend und beruhigt entzündete Schleimhäute. Er tonisiert und kommt bei Erkältung, Fieber und Grippe zum Einsatz. Als Tee oder Gurgellösung hilft er entzündeten Rachen, stoppt laufende Nasen, bringt uns ins Schwitzen.
  • Königskerze: Laut Hildegard von Bingen wird sie verwendet, um Schleim zu lösen und Hustenreiz zu lindern. Das Kraut enthält bis zu 3 Prozent Schleimstoffe. Diese legen sich schützend über unsere Schleimhäute im Rachen und beruhigen Halsschmerzen. Die Triterpensaponine lösen den Schleim, sodass wir befreit abhusten. Ein Auszug mit Öl kann äußerlich bei Ohrenschmerzen verwendet werden.
  • Melisse: Die enthaltene Rosmarinsäure wirkt antibakteriell und antiviral. Melisse soll beruhigen und die Stimmung heben. Sie wird bei Erkältungen, Fieber und Infekten eingesetzt.
  • Spitzwegerich: Das natürliche Hustenmittel von der Wiese. Die im Spitzwegerich enthaltenen Schleimstoffe legen sich wie eine Schutzschicht auf die Schleimhäute. Außerdem versorgt er uns mit Mineralien und Vitamin C, Gerbstoffen und entzündungshemmendes Aucubin.
  • Schafgarbe: enthält ätherisches Öl, Gerbstoffe, Flavonoide und Bitterstoffe fürs Immunsystem. Aber auch antibakterielle und antibiotische Substanzen. Sie wirkt unter anderem schweißtreibend: Sie regt die Blutzirkulation an und der austretende Schweiß kann Fieber kühlen. Deshalb wird sie auch bei Erkältung und Grippe eingesetzt.

Rezepte

In der Pflanzenheilkunde wird besonders häufig mit Tees gearbeitet. Sie sind unkompliziert in der Zubereitung und können schnell zubereitet werden. Einmal abgekühlt geben wir gern auch ein wenig Honig (in Bioqualität aus der Region) mit in den Tee für den extra Nährstoffkick und Energie. 

 

Salbei

Wir stellen euch fünf Tee-Kombinationen aus den genannten Wildpflanzen vor. Ihr seid aber völlig frei, was die Pflanzen angeht.

Als Faustregel gilt: ein Teelöffel lose, getrocknete Kräutermischung auf eine Tasse Tee. Wenn wir mit frischen Kräutern arbeiten, nehmen wir die doppelte Menge. Während der Ziehzeit von 5-10 Minuten bedecken wir den Tee, damit die wasserlöslichen Nährstoffe nicht verfliegen. 2 Tassen deines liebsten Tees pro Tag helfen im Akutfall. Um die Wirkung noch zu verstärken, setzen wir einen Aufguss über Nacht an. 

  • Bronchi-Tee
    Quendel, Dost und Rosmarin
    zu gleichen.
    Kann bei Nebenhöhlenentzündungen, hartnäckigem Husten und bakteriellen Infekten getrunken werden.
  • Immun-Unterstützer
    3 Teile Labkraut, 2 Teile Sonnenhut, 2 Teile Holunderblüten, 1 Teil Holunderbeeren, 1 Teil Melisse.
    Die tonisierenden Wirkstoffe können das Immunsystem und die Lymphen während einer Grippe unterstützen. Gut ziehen lassen und über den Tag verteilt trinken.
  • Tägliche Tasse 
    2 Teile Holunderblüten, 2 Teile Sonnenhut, 1 Teil Hagebuttenschalen.
    Dieser liebliche Tee steckt voller Vitamin C und kann dein Immunsystem täglich auf Trab halten.
  • Durchatmen
    3 Teile Königskerze, 1 Teil Salbei und 1 Teil Thymian.
    Würden wir trinken bei Halsweh und hartnäckigem Husten.
  • Der Klassiker 
    Schafgarbe, Holunderbeere und Pfefferminze zu gleichen Teilen.
    Dieser Klassiker aus der Pflanzenheilkunde und schmeckt lieblich-frisch. Er wird bei Atemwegserkrankungen zubereitet und soll innere Entzündungen reduzieren und generelle Erkältungssymptome mildern. Ganz heiß getrunken kann er Fieber auslösen.

All diese tollen Kräuter lassen sich auch als Oxymel mit Apfelessig und Honig ansetzen und ausziehen. Falls ihr keine Möglichkeit oder Zeit habt, selbst Kräuter zu sammeln, könnt ihr euch unser Oxymel Immun genauer ansehen. In diesem haben wir die wirksamsten Immunkräuter vereint: Hagebutte, Quendel, Salbei, Spitzwegerich. Schon zwei Esslöffel dieses Wildkräuterauszugs versorgen euch mit der empfohlenen Tagesdosis Vitamin C. Und vielen weiteren Nährstoffen.


Wir hoffen ihr seid nun genauso fasziniert von unseren heimischen Wildkräutern und deren Heilwirkung wie wir. Wenn wir sie gekonnt einsetzen, ersetzen sie Superfoods und Kräuter aus Übersee oder künstlich hergestellte Medikamente. Das Wichtigste ist wohl nach wie vor, stets unser Immunsystem zu unterstützen, sodass wir gar nicht erst krank werden. In diesem Sinne: kommt gut durch die Erkältungszeit und bleibt gesund!

Bildcredits Clara-Marie Felder und Maike Grimm